Westportal Kirche Hirschfelde
Betrachtung zum Westportal der Hirschfelder Kirche
Beitrag Nr. 1:
Uwe Großkopf
Hirschfelde/Eggersdorf 04.03.2004
Literatur:
Deimling, Barbara in R. Toman „Die Kunst der Romantik“, Könemann, Köln 1996 „Das mittelalterliche Kirchportal in seiner rechtgeschichtlichen Bedeutung“.
Droste, Thorsten „Die Skulpturen von Moissac“, Hirmer Verlag, München 1996
Michas, Uwe „Die Eroberung und Besiedlung Nordostbrandenburgs“, Reihe: Entdeckungen entlang der Märkischen Eiszeitstrasse, Eberswalde 2003
Ehl, Heinrich „Norddeutsche Feldsteinkirchen“ Verlag G. Westermann, Braunschweig/Hamburg 1926
Beitrag Nr. 1:
Steht man vor der Westfassade des Turmes, so wirkt er gewaltig. Seine schlicht, von den Spuren der vergangenen Jahrhunderte gezeichnete Erscheinung steht im steht im merkwürdigen Kontrast zum klein und fast verloren wirkendem, aber bemerkenswerten, weil fast filigran gestaltetem, abgestuften Portal.
Das verwendete Material ist Feldstein mit Backstein, etwas uneinheitlich, und in der Linienführung nicht ganz stimmig. Stilistisch ist es spätromanisch einzuordnen. Die Kante der äußeren Abstufung ist konkav gefasst. Und hat in mehr oder weniger ungleichen Abständen noppenartige runde „Ziernippel“. Da die leicht spitzbogigen Abstufungen im Scheitel nicht ganz übereinstimmen, kann eine Umsetzung dieses Stufenportals von einem anderen Baukörper nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Warum nun hat man sich bei dem spröden und nicht so einfach zu bearbeitenden Material, Feldstein, so viel Mühe gemacht? Dazu muss man nun etwas weiter ausholen. Bauplastisches Dekor (Verzierung, Schmuckelemente, Betonungen) sind im 11. Jahrhundert in Frankreich, Spanien und Deutschland nicht unüblich. Türen sind meist wie aus der Wand geschnitten und wurden im Allgemeinen nur von Dekor umrahmt.
Später, an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert, wurden dann abgestufte Portalgestaltungen, die ins Mauerwerk hineingearbeitet wurden, und je nach Art des verwendeten Wandbaustoffes doch recht unterschiedlich ausgebildet waren, was die Feingliedrigkeit sowie Art und Umfang der Abstufungen und des Dekors anbetrifft üblich. Darauf aufbauend bildeten sich dann bei weicheren, leichter als Feldstein zu bearbeitenden Gesteinsarten, skulpturelle Gestaltungen und Reliefformen, z. B. beim Tympanon, heraus. Im Zuge der weiteren Entwicklung wurden dann auch andere Gesteinsarten und Techniken, z. T. regional deutlich abweichend, einbezogen. Genannt seien hier nur Backstein, gebrannte Skulpturen oder gebrannte Formsteine und Elemente.
Dieses traf auf unsere Portalgestaltung in Hirschfelde jedoch nicht zu, oder besser konnte noch nicht zutreffen. Im 13. Jahrhundert, als auch Hirschfelde von deutschen Kolonisten aus dem heute süddeutschen Raum besiedelt wurde, standen natürlich andere, die unmittelbare Existenz sichernde Probleme im Vordergrund, (Rodungen, Ackerbau, Viehzucht, Schaffung von Behausung etc.).
Ungefähr 1 bis 2 Generationen nach der Inbesitznahme des Landes (ca. 25 – 30 Jahre) begann man dann mit dem Bau einer massiven Kirsche, meist mit Schutzcharakter, denn es waren sehr unruhige Zeiten. Das heißt kleine Portale, hoch liegende schmale Fenster (wie beim Hirschfelder Turm erkennbar) und wuchtige Mauerwerksgestaltung, um im Gefahrenfalle eine Rückzugsmöglichkeit zu haben und sich über den relativ hohen Turm mit Feuer- oder Rauchzeichen mit Nachbarn (Nachbarsiedlungen) verständigen zu können. Die auffällige und für die Entstehungszeit aufwendige Portalgestaltung auf der Westseite des Turmes erklärt sich vor allem aus dem Verständnis und dem Empfinden des mittelalterlichen Menschen und seinem Weltbild, von dem vieles in Vergessenheit geraten bzw. heute nicht ohne weiteres nachvollziehbar ist. Das Kirchengebäude und vor allem der Innenraum symbolisierten das himmlischen Jerusalem, das Paradies auf Erden, quasi die „Residenz Gottes auf Erden“. Deshalb auch die ursprünglich aufwendige figürliche und ornamentale Ausmalung mittelalterlicher Kirchen.
Damit sich der mittelalterliche Mensch im Kircheninnern allein Gott und geistlichen Dingen widmen konnte, sollte er alles Weltliche an der Pforte oder dem Portal zurücklassen. Deshalb war auch das Portal, in Hirschfelde war es sicherlich nicht anders, der Ort wo Verträge geschlossen oder gelöst wurden, Gericht gehalten, Vermählungen vorgenommen oder Lehenshandlungen durchgeführt wurden. Erst nach Abschluss dieser Handlungen war es aus damaliger Sicht dem Einzelnen möglich, sich im Kirchenraum ganz auf Gott und den Gottesdienst zu konzentrieren.
Die Kirche, das bedeutendste Bauwerk der damaligen Aussiedlung, war Verwaltungs-, Gerichts-, Versammlungszentrum der Dorfgemeinschaft, also der Mittelpunkt. Um diese Funktionen zu betonen hob man die Gestaltung der Pforte deutlich hervor. Die Art und die Bedeutung der Gestaltung waren ganz sicher von der zeitlichen Besiedlung des jeweiligen Landstriches und, so jedenfalls Heinrich Ehl, von den von der jeweiligen Kolonistengemeinschaft und ihr aus der alten Heimat mit übernommen bzw. mitgebrachten Bautraditionen und – Fertigkeiten sowie deren Übertragung auf die konkret vorhandene Materialstruktur entscheidend abhängig. Auch muss man bedenken, dass im Zuge der so genannten Ostkolonisten häufig Standorte nach relativ kurzer Zeit aufgegeben wurden, weil sie sich als ungünstig erwiesen und die Kolonisten einfach weiter zogen und nur das aus ihrer Sicht unbedingt nötige oder wichtige mitnahmen. Möglicherweise gehörten dazu auch behauene und verzierte Steine vom Stufenportal des Hirschfelder Turmes, wie anfangs beschrieben. Vielleicht betrachten sie sich jetzt noch einmal das Portal intensiver und erfreuen sich an seiner Gestaltung, deren Entstehungszeit fast 8 Jahrhunderte zurück liegen dürfte.
Das verwendete Material ist Feldstein mit Backstein, etwas uneinheitlich, und in der Linienführung nicht ganz stimmig. Stilistisch ist es spätromanisch einzuordnen. Die Kante der äußeren Abstufung ist konkav gefasst. Und hat in mehr oder weniger ungleichen Abständen noppenartige runde „Ziernippel“. Da die leicht spitzbogigen Abstufungen im Scheitel nicht ganz übereinstimmen, kann eine Umsetzung dieses Stufenportals von einem anderen Baukörper nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Warum nun hat man sich bei dem spröden und nicht so einfach zu bearbeitenden Material, Feldstein, so viel Mühe gemacht? Dazu muss man nun etwas weiter ausholen. Bauplastisches Dekor (Verzierung, Schmuckelemente, Betonungen) sind im 11. Jahrhundert in Frankreich, Spanien und Deutschland nicht unüblich. Türen sind meist wie aus der Wand geschnitten und wurden im Allgemeinen nur von Dekor umrahmt.
Später, an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert, wurden dann abgestufte Portalgestaltungen, die ins Mauerwerk hineingearbeitet wurden, und je nach Art des verwendeten Wandbaustoffes doch recht unterschiedlich ausgebildet waren, was die Feingliedrigkeit sowie Art und Umfang der Abstufungen und des Dekors anbetrifft üblich. Darauf aufbauend bildeten sich dann bei weicheren, leichter als Feldstein zu bearbeitenden Gesteinsarten, skulpturelle Gestaltungen und Reliefformen, z. B. beim Tympanon, heraus. Im Zuge der weiteren Entwicklung wurden dann auch andere Gesteinsarten und Techniken, z. T. regional deutlich abweichend, einbezogen. Genannt seien hier nur Backstein, gebrannte Skulpturen oder gebrannte Formsteine und Elemente.
Dieses traf auf unsere Portalgestaltung in Hirschfelde jedoch nicht zu, oder besser konnte noch nicht zutreffen. Im 13. Jahrhundert, als auch Hirschfelde von deutschen Kolonisten aus dem heute süddeutschen Raum besiedelt wurde, standen natürlich andere, die unmittelbare Existenz sichernde Probleme im Vordergrund, (Rodungen, Ackerbau, Viehzucht, Schaffung von Behausung etc.).
Ungefähr 1 bis 2 Generationen nach der Inbesitznahme des Landes (ca. 25 – 30 Jahre) begann man dann mit dem Bau einer massiven Kirsche, meist mit Schutzcharakter, denn es waren sehr unruhige Zeiten. Das heißt kleine Portale, hoch liegende schmale Fenster (wie beim Hirschfelder Turm erkennbar) und wuchtige Mauerwerksgestaltung, um im Gefahrenfalle eine Rückzugsmöglichkeit zu haben und sich über den relativ hohen Turm mit Feuer- oder Rauchzeichen mit Nachbarn (Nachbarsiedlungen) verständigen zu können. Die auffällige und für die Entstehungszeit aufwendige Portalgestaltung auf der Westseite des Turmes erklärt sich vor allem aus dem Verständnis und dem Empfinden des mittelalterlichen Menschen und seinem Weltbild, von dem vieles in Vergessenheit geraten bzw. heute nicht ohne weiteres nachvollziehbar ist. Das Kirchengebäude und vor allem der Innenraum symbolisierten das himmlischen Jerusalem, das Paradies auf Erden, quasi die „Residenz Gottes auf Erden“. Deshalb auch die ursprünglich aufwendige figürliche und ornamentale Ausmalung mittelalterlicher Kirchen.
Damit sich der mittelalterliche Mensch im Kircheninnern allein Gott und geistlichen Dingen widmen konnte, sollte er alles Weltliche an der Pforte oder dem Portal zurücklassen. Deshalb war auch das Portal, in Hirschfelde war es sicherlich nicht anders, der Ort wo Verträge geschlossen oder gelöst wurden, Gericht gehalten, Vermählungen vorgenommen oder Lehenshandlungen durchgeführt wurden. Erst nach Abschluss dieser Handlungen war es aus damaliger Sicht dem Einzelnen möglich, sich im Kirchenraum ganz auf Gott und den Gottesdienst zu konzentrieren.
Die Kirche, das bedeutendste Bauwerk der damaligen Aussiedlung, war Verwaltungs-, Gerichts-, Versammlungszentrum der Dorfgemeinschaft, also der Mittelpunkt. Um diese Funktionen zu betonen hob man die Gestaltung der Pforte deutlich hervor. Die Art und die Bedeutung der Gestaltung waren ganz sicher von der zeitlichen Besiedlung des jeweiligen Landstriches und, so jedenfalls Heinrich Ehl, von den von der jeweiligen Kolonistengemeinschaft und ihr aus der alten Heimat mit übernommen bzw. mitgebrachten Bautraditionen und – Fertigkeiten sowie deren Übertragung auf die konkret vorhandene Materialstruktur entscheidend abhängig. Auch muss man bedenken, dass im Zuge der so genannten Ostkolonisten häufig Standorte nach relativ kurzer Zeit aufgegeben wurden, weil sie sich als ungünstig erwiesen und die Kolonisten einfach weiter zogen und nur das aus ihrer Sicht unbedingt nötige oder wichtige mitnahmen. Möglicherweise gehörten dazu auch behauene und verzierte Steine vom Stufenportal des Hirschfelder Turmes, wie anfangs beschrieben. Vielleicht betrachten sie sich jetzt noch einmal das Portal intensiver und erfreuen sich an seiner Gestaltung, deren Entstehungszeit fast 8 Jahrhunderte zurück liegen dürfte.
Uwe Großkopf
Hirschfelde/Eggersdorf 04.03.2004
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