Was Krummensee in Löhme sang
Was Krummensee in Löhme sang
Von Ferdinand Holzer
Zeitungsartikel Ende 1958/Anfang 1959 – Quelle unbekannt
Von Ferdinand Holzer
Sie bimmelt durch die Kartoffeläcker, begrüßt den Erntewagen am Wege mit lustigem Pfiff und scheucht die Enten in den Dorfteich. Sie sorgt dafür, dass die Stationen ausgerufen werden und die Trillerpfeife das Abfahrtsignal gibt. Sie gehört – trotz der wenigen Züge am Tage – sogar zum S-Bahn-Betrieb.
Immerhin: Sie hat sich bis heute gehalten – im Gegensatz zu ihren geplatzten Nachbarinnen in Alt – Landsberg und Herzfelde.
Also: Die Stationen werden noch ausgerufen! Das klingt bei „Blumberg“ wie eine Glocke, bei „Seefeld“ wie ein Signal. Ist auch eins! Also ‚raus! Da dampft sie hin. Aber hier ein aufgeregtes Gänsespalier, Sensen an der Mauer und hinter der Kirche ein grüner Blitz: der See.
Ein Kahn ist da, ausgewettert wie der stoppelbärtige, aber nur zufällige Fährmann. Ansonsten nämlich muss man hübsch auf der Chaussee ins Nachbardorf tippeln. So tunken wir über den „Lome“, wie er im Mittelalter hieß. Er, der heutige Haussee, ist der einzige größere See hier zwischen Bernau und Strausberg, offen wie eine Waschschüssel und ohne jeden Waldschutz. Kein Wunder, dass er bei Windeinfall ziemlich „drollig“ werden kann. Ist aber blaue Seide über ihn gespannt, hält er den Kirchtürmen seinen Spiegel vor: „Ick bin’t oltere“, scheppert die Löhmer Glocke. „Awe’ ick det grotere“, brummt die Seefelder. Beide haben Recht, obgleich das Landbuch erstmals 1375 von Ihnen Notiz nimmt. Aber im wendischen „Lome“ brannten eben die Herdfeuer ein paar Jahrhunderte früher als in Seefeld.
Löhme, Rauhasphalt fast ebenso berühmt ist wie seine Methode, Gemüse durch Bimstein hohe Qualitäts- und Ertragswerte zuzuführen, wurde zur Zeit der Pest auf der Landkarte als „Wüste“ bezeichnet. Sechzig Hufe und sechs Kossäthen hatte ursprünglich das im Besitz der Brüder Wulfe befindliche Dorf, die es an einen Junker Claus Schlegel weiter verkauften, während ein Jahrhundert später die Feudalen von Arnim Riemen aus der Haut ihrer Leibeigenen schnitte. 1732 wurde Löhme königliche Domäne mit Amt, fünf Dörfern und zwei Vorwerken – eine Herrlichkeit, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf das Vorwerk Krummensee und die Schäferei im „Hammellande“ zusammengeschmolzen war.
Die übliche Trilogie Kirche, Amt und Krug besteht auch heute noch, aber mit zeitgenössischen Korrekturen. Der ehemalige Domänenpächter ist genauso verschwunden wie der „zerbrochene“ Krug. Für letzteren finden die Löhmer am Dorfrand eine durch „Kintopp“ und Tanzsaal komplettierte Ausgleichsmöglichkeit. Und die Kirche? Um sie herum schlafen die Brederecks, Schuberts und Thiekes den Posaunen von Jericho entgegen. Vogelbeere, Flieder und Holunder beschirmen die oft überwucherten Hügel und vermitteln dieser Stätte etwas von jenem Geist, der aus der umstrittenen Heimatlyrik eines „Schmidts von Werneuchen“ spricht.
Und damit ist endlich das Stichwort für das Endziel dieses nervenstärkenden Ausflugs gefallen. Denn von Werneuchen, das in einer gemütlichen Stunde durch Feld und Flur erreicht wird, geht’s wieder mit der „Bimmelluise“ nach Hause.
Immerhin: Sie hat sich bis heute gehalten – im Gegensatz zu ihren geplatzten Nachbarinnen in Alt – Landsberg und Herzfelde.
Also: Die Stationen werden noch ausgerufen! Das klingt bei „Blumberg“ wie eine Glocke, bei „Seefeld“ wie ein Signal. Ist auch eins! Also ‚raus! Da dampft sie hin. Aber hier ein aufgeregtes Gänsespalier, Sensen an der Mauer und hinter der Kirche ein grüner Blitz: der See.
Ein Kahn ist da, ausgewettert wie der stoppelbärtige, aber nur zufällige Fährmann. Ansonsten nämlich muss man hübsch auf der Chaussee ins Nachbardorf tippeln. So tunken wir über den „Lome“, wie er im Mittelalter hieß. Er, der heutige Haussee, ist der einzige größere See hier zwischen Bernau und Strausberg, offen wie eine Waschschüssel und ohne jeden Waldschutz. Kein Wunder, dass er bei Windeinfall ziemlich „drollig“ werden kann. Ist aber blaue Seide über ihn gespannt, hält er den Kirchtürmen seinen Spiegel vor: „Ick bin’t oltere“, scheppert die Löhmer Glocke. „Awe’ ick det grotere“, brummt die Seefelder. Beide haben Recht, obgleich das Landbuch erstmals 1375 von Ihnen Notiz nimmt. Aber im wendischen „Lome“ brannten eben die Herdfeuer ein paar Jahrhunderte früher als in Seefeld.
Löhme, Rauhasphalt fast ebenso berühmt ist wie seine Methode, Gemüse durch Bimstein hohe Qualitäts- und Ertragswerte zuzuführen, wurde zur Zeit der Pest auf der Landkarte als „Wüste“ bezeichnet. Sechzig Hufe und sechs Kossäthen hatte ursprünglich das im Besitz der Brüder Wulfe befindliche Dorf, die es an einen Junker Claus Schlegel weiter verkauften, während ein Jahrhundert später die Feudalen von Arnim Riemen aus der Haut ihrer Leibeigenen schnitte. 1732 wurde Löhme königliche Domäne mit Amt, fünf Dörfern und zwei Vorwerken – eine Herrlichkeit, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf das Vorwerk Krummensee und die Schäferei im „Hammellande“ zusammengeschmolzen war.
Die übliche Trilogie Kirche, Amt und Krug besteht auch heute noch, aber mit zeitgenössischen Korrekturen. Der ehemalige Domänenpächter ist genauso verschwunden wie der „zerbrochene“ Krug. Für letzteren finden die Löhmer am Dorfrand eine durch „Kintopp“ und Tanzsaal komplettierte Ausgleichsmöglichkeit. Und die Kirche? Um sie herum schlafen die Brederecks, Schuberts und Thiekes den Posaunen von Jericho entgegen. Vogelbeere, Flieder und Holunder beschirmen die oft überwucherten Hügel und vermitteln dieser Stätte etwas von jenem Geist, der aus der umstrittenen Heimatlyrik eines „Schmidts von Werneuchen“ spricht.
Und damit ist endlich das Stichwort für das Endziel dieses nervenstärkenden Ausflugs gefallen. Denn von Werneuchen, das in einer gemütlichen Stunde durch Feld und Flur erreicht wird, geht’s wieder mit der „Bimmelluise“ nach Hause.
Zeitungsartikel Ende 1958/Anfang 1959 – Quelle unbekannt



