Der Eierkärner
Der Eier – Kärner von Tiefensee
Von Friedrich Binski
Oberbarnimer Kreiskalender 1932 – Kreisarchiv Barnim
Von Friedrich Binski
Schon zu des Alten Fritzens Zeiten zeigte sich eine Absatzstockung für landwirtschaftliche Produkte, obwohl besonders die großen Städte, namentlich Berlin und Potsdam, reichlich Bedarf hatten an Eiern und Federvieh. Um dem Landwirt Anreiz zur Produktion zu geben, organisierte der König den Aufkauf und die Weiterleitung der Eier und des Federviehs. Er richtete „Eierkärner – Etablissements“ ein. So wurde nach vorangegangenen zweijährigen Vorbereitungen im Jahre 1785 auch auf der „wüsten Feldmark Tiefensee“ neben dem im Jahre 1777 daselbst errichteten „Kreisgärtner – Etablissement“ auf ein Grundstück von 1 Morgen Größe ein Haus mit Wagenschuppen erbaut für den anzusetzenden Eierkärner. Der Invalide Daniel Kiel war dazu ausersehen. Es wurde ein Karren für ihn gebaut, am 13. Oktober 1785 ihm ein Pferd dazu geschenkt, und er verpflichtete sich, Eier und Federvieh aufzukaufen und nach Berlin und Potsdam auf den Markt zu fahren. Ob er jemals Eier nach Berlin gebracht hat, ist aus den Akten nicht zu ersehen. Schon am 25. Nov. desselben Jahres meldete er dem „Kgl. Amt Alten – Landsberg“, dass ihm in der voraufgegangenen Nacht das Pferd aus dem Stalle gestohlen sei. Ein „Neues Berliner Intelligenz – Blatt zum Nutzen und Besten des Publici“ vom 1. Dezember 1785 enthält unter der Rubrik „Sachen so gestohlen worden“ auch die folgende Anzeige: „Es ist in der Nacht vom 24. auf den 25. November 1785 in dem neuen Eyerkärner – Etablissement zu Tiefensee, Amts Alten – Landsberg, eine 6jährige schwarzbraune Stute ohngefähr 5 Fuß, aus dem Stalle gestohlen worden … (folgt Beschreibung). Sollte gedachtes Pferd irgendwo zum Verkauf gebracht oder der Dieb sonsten damit betreten werden; so ersucht man hierdurch jedermänniglich geziemend, beydes anzuhalten“. Dieb und Pferd wurden nicht mehr gefunden. Die guten Nachbarn aber munkelten, er, „Danigel Kil“ (Daniel Kiel), wie er sich schrieb, hätte das Pferd selber verkauft. Es war wohl wirklich nicht viel los mit dem ersten Eierkärner in Tiefensee. Der Bauinspektor Dornstein aus Wriezen berichtet nämlich nach einer Besichtigung des Etablissements: „bey dieser Gelegenheit habe ich die ganz unverzeiliche tolle Wirtschaft dieses Menschen genauer kennen lernen, wo auch gerade der Endzweck, wozu dieses Haus gebauet, gahr nicht angewand wird. Nichts als ein altes Weib liegt Elend und krank im Haus, führt die bittersten Klagen über Ihren Schwiegersohn, der nur alle 14 Tage 1 mal zu Hause käme, sonst aber mit einer Zither im Lande betteln gehet … Er geht, wenn er zu Hause, äußerst Ruchlos mit dem Feuer um und kein Mensch ist dort sicher.“
Die Erbverschreibung für das Grundstück war ihm zu dieser Zeit noch nicht ausgehändigt und wurde nach dem Bericht Dornsteins erst recht zurückgehalten. Im Mai 1786 erklärte Daniel Kiel: „binnen 4 Wochen wieder ein Pferd anzuschaffen und sein Gewerbe wieder aufzunehmen.“ Er erstand ein Pferd für wenig Geld. Es war aber auch danach. Nach kaum drei Tagen verendete es. Nun erklärte er sich freiwillig bereit, das Etablissement zurückzugeben, „sobald ein anderer engagiert seyn würde.“ Die kurmärk. Kriegs- und Domainen Kammer hatte inzwischen angeordnet, dass das Etablissement in Tiefensee „einem anderen sich dazu qualifizierenden Subjekt gegeben werden sollte“. Vergeblich bemühte sich der Altlandsberger Oeconomie – Beamte, eines Annehmers habhaft zu werden, bis Ende März 1787 sich der Kanonier Johann Wetschereg meldete, der dem 2. Artillerie – Regiment des „Obrist Lietenants von Linger“ angehörte. Durch Kammer – Verordnung vom 23. Juli 1787 wurde ihm die Genehmigung erteilt, da er „zu Betreibung des Handels mit Federvieh und Eiern die erforderliche Fähigkeit und auch das Vermögen hat, und wenn er alle damit verknüpften Bedingungen besonders Eiern, Federvieh und andere Victualien im Lande aufkaufen und nach Berlin und Potsdam zum Verkauf auf den Markt zu bringen erfüllen, auch sich aus eigenen Mitteln ein gutes tüchtiges Pferd ankaufen und als eisern bey dem Etablissement laßen will“. Wetschereg, später Wetschereck geschrieben, übernahm das Eierkärner – Etablissement und die Erbverschreibung wurde ihm ausgehändigt. Er muss einen guten Tropfen geliebt haben; denn 1802 erstattete der Oberamtmann Baath Anzeige, dass Wetschereck ihm noch 35 Thaler und 8 Groschen für „Bier und Brandwein“ schuldig sei. Sehr lange hat sich das Eierkärner – Gewerbe nicht behauptet. 1817 wurde das Grundstück dem Böttchermeister Behrend erblich überlassen gegen jährlich zu entrichtende Abzahlungsraten.
Die Erbverschreibung für das Grundstück war ihm zu dieser Zeit noch nicht ausgehändigt und wurde nach dem Bericht Dornsteins erst recht zurückgehalten. Im Mai 1786 erklärte Daniel Kiel: „binnen 4 Wochen wieder ein Pferd anzuschaffen und sein Gewerbe wieder aufzunehmen.“ Er erstand ein Pferd für wenig Geld. Es war aber auch danach. Nach kaum drei Tagen verendete es. Nun erklärte er sich freiwillig bereit, das Etablissement zurückzugeben, „sobald ein anderer engagiert seyn würde.“ Die kurmärk. Kriegs- und Domainen Kammer hatte inzwischen angeordnet, dass das Etablissement in Tiefensee „einem anderen sich dazu qualifizierenden Subjekt gegeben werden sollte“. Vergeblich bemühte sich der Altlandsberger Oeconomie – Beamte, eines Annehmers habhaft zu werden, bis Ende März 1787 sich der Kanonier Johann Wetschereg meldete, der dem 2. Artillerie – Regiment des „Obrist Lietenants von Linger“ angehörte. Durch Kammer – Verordnung vom 23. Juli 1787 wurde ihm die Genehmigung erteilt, da er „zu Betreibung des Handels mit Federvieh und Eiern die erforderliche Fähigkeit und auch das Vermögen hat, und wenn er alle damit verknüpften Bedingungen besonders Eiern, Federvieh und andere Victualien im Lande aufkaufen und nach Berlin und Potsdam zum Verkauf auf den Markt zu bringen erfüllen, auch sich aus eigenen Mitteln ein gutes tüchtiges Pferd ankaufen und als eisern bey dem Etablissement laßen will“. Wetschereg, später Wetschereck geschrieben, übernahm das Eierkärner – Etablissement und die Erbverschreibung wurde ihm ausgehändigt. Er muss einen guten Tropfen geliebt haben; denn 1802 erstattete der Oberamtmann Baath Anzeige, dass Wetschereck ihm noch 35 Thaler und 8 Groschen für „Bier und Brandwein“ schuldig sei. Sehr lange hat sich das Eierkärner – Gewerbe nicht behauptet. 1817 wurde das Grundstück dem Böttchermeister Behrend erblich überlassen gegen jährlich zu entrichtende Abzahlungsraten.
Oberbarnimer Kreiskalender 1932 – Kreisarchiv Barnim



