Die weißen Hirsche von Prötzel
Die weißen Hirsche von Prötzel
Aus Werneuchener Zeitung vom Mittwoch, den 19. Juli 1939
Ein lohnender Ausflug in unsere schöne Umgebung. Das prächtige Waldrevier des „Blumenthals“ als Sonntagsausflugsziel zu empfehlen, ist heute kaum noch nötig. Jeder, der einmal von Tiefensee durch den Gamengrund oder die liebliche Talsenke des Latt – und Ihlandsees gewandert ist, kennt die Schönheiten, die diesem „romantischen Zauberwald“ eigen sind. Nur der östliche Teil des Blumenthals wird selten besucht, obwohl gerade hier die kleine Mühle der Besorgung eines Erlaubnisscheines der zum Betreten der schönsten, vielfach nicht öffentlichen wegen im Forstamt Prötzel (je Person und Tag 50 Pfg.) erforderlich ist, belohnt wird durch eine Fülle malerischer Aus- und Durchblicke. Kein Wunder, dass dieser Wald in grauer Vorzeit würdig zur Götteranbetung erschien. Man glaubte in ihm den heiligen Hain der Semnonen wieder zu erkennen. Auch die sage von der wilden Jagd, die unter Wodans Führung durch die Gründe braust, deutet darauf hin, und noch heute soll die „weiße Frau“ des Öfteren am Opferplatz bei der „Stadtstelle“ erschienen, auf der einstmals das Städtchen „Blumenthal“ gestanden hat.
Am Ostrande dieses geheimnisvollen Waldgebietes liegt das kleine, anmutig in eine Talmulde gebettet Dörfchen Prötzel, das nicht nur seines von herrlichen Parkanlagen umgebenen Schlosses, sondern auch seiner hübschen Lage wegen verdient, in den Plan einer Blumenthalwanderung einbezogen zu werden. Mitten im Dorf steht das schöne Schloss der Eckardsteins. Andreas Schlüter entwarf die Pläne für diesen gefälligen Bau, den der Generaladjutant des ersten preußischen Königs, Paul Anton v. Kameke, 1712 auf seinem Gut errichten ließ. Kameke hatte den berühmten Baumeister in der Berliner Hofgesellschaft kennen gelernt und ihm den Bau seines Berliner Gartenhauses, das noch heute in der Dorotheenstraße steht, übertragen. Bald darauf ließ er sich den Entwurf Prötzeler Herrenhaus ausarbeiten, den dann vermutlich ein Schlüter – Schüler ausgeführt hat. Hinter dem schloss liegt der prächtige Park, zu dessen Betreten man sich beim Gärtner Erlaubnis holen muss. Lauschige Wege schlängeln sich zwischen uralten, mit Efeu umwachsenen Baumrieden dahin, über Brücken und Stege bis an das Ufer eines verträumten Sees, den nur ein schmaler Wiesengürtel von den jenseits aufragenden Waldhängen trennt. Besonders hübsch ist es, wenn die weißen Hirsche, die hier schon seit 225 Jahren gehegt werden, zur Fütterung ans Seeufer kommen. Mehr als 100 sind es. Sie tummeln sich unbekümmert um den Zuschauer auf der grünen Koppel, springen und jagen die Hänge hinauf oder wechseln stolz zwischen den hohen Stämmen dahin. Am Westrande des Parkes erhebt sich das schmucke Kirchlein; ringsherum scharen sich die wenigen Häuser des Dorfes, und dann schließt sich wieder der weite Wald des Blumenthals.
„Lach Lettin“ steht auf einem Wegweiser. Man folge diesem stummen Rat, wenn man sich auf dem Rückweg nach Leuenberg die bereits erwähnte „Stadtstelle“, den Blumenthalsee, den faulen See oder die idyllische Piche, wie man die beiden verschiedenen Teiche nördlich der kleinen Forstkolonie Blumenthal nennt, zum weiteren Ziel gesetzt hat. Dabei kommt man im Jagen 66 an einem mächtigen Findling vorüber, an dem laut Inschrift am 23. Januar 1823 der letzte Wolf erlegt wurde.
Am Ostrande dieses geheimnisvollen Waldgebietes liegt das kleine, anmutig in eine Talmulde gebettet Dörfchen Prötzel, das nicht nur seines von herrlichen Parkanlagen umgebenen Schlosses, sondern auch seiner hübschen Lage wegen verdient, in den Plan einer Blumenthalwanderung einbezogen zu werden. Mitten im Dorf steht das schöne Schloss der Eckardsteins. Andreas Schlüter entwarf die Pläne für diesen gefälligen Bau, den der Generaladjutant des ersten preußischen Königs, Paul Anton v. Kameke, 1712 auf seinem Gut errichten ließ. Kameke hatte den berühmten Baumeister in der Berliner Hofgesellschaft kennen gelernt und ihm den Bau seines Berliner Gartenhauses, das noch heute in der Dorotheenstraße steht, übertragen. Bald darauf ließ er sich den Entwurf Prötzeler Herrenhaus ausarbeiten, den dann vermutlich ein Schlüter – Schüler ausgeführt hat. Hinter dem schloss liegt der prächtige Park, zu dessen Betreten man sich beim Gärtner Erlaubnis holen muss. Lauschige Wege schlängeln sich zwischen uralten, mit Efeu umwachsenen Baumrieden dahin, über Brücken und Stege bis an das Ufer eines verträumten Sees, den nur ein schmaler Wiesengürtel von den jenseits aufragenden Waldhängen trennt. Besonders hübsch ist es, wenn die weißen Hirsche, die hier schon seit 225 Jahren gehegt werden, zur Fütterung ans Seeufer kommen. Mehr als 100 sind es. Sie tummeln sich unbekümmert um den Zuschauer auf der grünen Koppel, springen und jagen die Hänge hinauf oder wechseln stolz zwischen den hohen Stämmen dahin. Am Westrande des Parkes erhebt sich das schmucke Kirchlein; ringsherum scharen sich die wenigen Häuser des Dorfes, und dann schließt sich wieder der weite Wald des Blumenthals.
„Lach Lettin“ steht auf einem Wegweiser. Man folge diesem stummen Rat, wenn man sich auf dem Rückweg nach Leuenberg die bereits erwähnte „Stadtstelle“, den Blumenthalsee, den faulen See oder die idyllische Piche, wie man die beiden verschiedenen Teiche nördlich der kleinen Forstkolonie Blumenthal nennt, zum weiteren Ziel gesetzt hat. Dabei kommt man im Jagen 66 an einem mächtigen Findling vorüber, an dem laut Inschrift am 23. Januar 1823 der letzte Wolf erlegt wurde.
Aus Werneuchener Zeitung vom Mittwoch, den 19. Juli 1939



