„HEUTE bei uns DAHEIM !“
Das Protokoll einer Radiosendung des Senders RADIO DDR II vom Samstag, den 03.10.1981 (in der Zeit von 08.00 Uhr bis 10.00 Uhr). (gefunden in der Chronik des ehemaligen Gemeindeverbandes Werneuchen)
Anmerkung der Redaktion. Dieses Protokoll stellt nicht nur eine einmalige Dokumentation über das dar, was durch wem wann über Werneuchen gesprochen wurde, sondern enthält kleine Anekdoten aus der Geschichte unseres Heimatortes. Durch die Sendung führten damals, der Moderator Jürgen Zierke (Zi.) und der Reporter Rudi Fritsche (Fr.).
8’00 Uhr Vorprogramm
8’01 Zi.: Mailüftchen fächern, aus Sumpf und Löchern schlüpft Haselmaus und Frosch heraus. An unsern Dächern klebt froh ihr Nest die Schwalbe fest.
Zu beiden Seiten der Laube ...
Fr.: Bei aller Wertschätzung, Jürgen, aber sollte Dir vielleicht entgangen sein, dass die Schwalben schon längst unterwegs sind in den Süden und dass wir statt gefächerten Mailüftchen nun bald Oktoberstürme atmen??
Zi.: Mitnichten, lieber Rudi, ist mir dies entgangen, aber dieses Gedicht ist das einzige, welches ich fand von ihm ...
Fr.: von wem?
Zi.: Selbstverständlich von Friedrich Wilhelm August Schmidt.
Fr.: Selbstverständlich von Friedrich Wilhelm August Schmidt! Und wer ist das ... Bitte?
Zi.: Da fragst Du noch? Das weiß doch hier jedes Kind.
Fr.: So? Dann frag doch mal ein Kind !!!
Zi.: Na, dann frag’ ich halt ... Weißt Du, wer Friedrich Wilhelm August Schmidt war?
Kind: Das war ein Dichter, der hier in Werneuchen lebte und predigte, geboren am 23. März 1764 in Fahrland, gestorben am 26. April 1838 hier in Werneuchen.
Fr.: Ach, der alte Schmidt, ja den kenn’ ich natürlich. Und von dem ist das Gedicht?
Zi.: Soll ich das jetzt weiter aufsagen?
Fr.: Wie viel Strophen hat es denn?
Zi.: Siebzehn ...
Fr.: Sollten wir nicht vielleicht lieber erst ein wenig Musik spielen?
Zi.: Das können wir auch .. ist Dir was herbstliches recht?
Fr.: Natürlich, ich gehe ja mit der Zeit.
Zi.: Na, denn !!
8’02 Musik:
8’05 Fr.: Meinst Du, das war der rechte musikalische Einstig?
Zi.: Nein, aber Du hattest Dir ja was herbstliches gewünscht - und herbstlich war’s!
Fr.: herbstlich, herbstlich - da war doch noch was? Ach ja, herzlich willkommen, liebe Hörer, zu unserer musikalischen Wanderung ....
Zi.: durch den Oderbezirk und heute grüßen wir Sie aus Werneuchen.
Wenn ich vielleicht die anderen Verse ...
Fr.: Vielleicht sollten wir unseren Wanderfreunden erst einmal etwas über Werneuchen erzählen, es kann doch sein, dass noch nicht alle in Werneuchen waren.
Zi.: Auch das, Rudi, auch das ... man sucht auf der Karte unsere Hauptstadt, blickt dann in nordöstliche Richtung in den Kreis Bernau und wird Werneuchen finden, an der Bahnstrecke Berlin-Wriezen, an der Fernverkehrsstraße Berlin - Freienwalde.
Fr.: Werneuchen - und wer gab der Stadt den Namen?
Zi.: Ja, Rudi - das ist ganz was anderes und auch eine unfaire Frage, weil Du weißt, dass ich es auch nicht weiß. Fest steht jedenfalls, dass der Ort höheren Alters ist ...
Fr.: Na, das ist doch schon sehr interessant!
Zi.: ... höheren Alters ist, als in der ersten bekannten Urkunde ausgewiesen und die stammt vom 29. April 1247.
Fr.: Und der Name?
Zi.: Also bitte! Der Name lautete zunächst Warnow, dann Warnowe, später im 16. Jahrhundert Bernauicke, Bernowicke, Bernöwichen, Mitte des 17. Jahrhunderts Vernoicke, dann Wernöwchen, schließlich Werneuchen!
Fr.: Alle Wetter ... und was heißt Werneuchen?
Zi.: Du schaffst auch den geduldigsten Erzähler. Es gibt genau so viele Deutungen, wie bereits aufgezählte Namen. Etwa Befestigung, Krähenhorst, Sumpfgebiet ... es kann aber auch vom Namen eines alten Fürsten abgeleitet sein.
Fr.: Na, das ist ja ganz interessant, aber glaubst Du dass es unsere Hörer am Samstagmorgen interessiert.
Zi.: Also, das ist doch ein starkes Stück!!!
8’06 Musik
8’09 Zi.: (Gespräch mit dem Bürgermeister Hans-Dieter Graßmann)
8’13 Musik: Musik:
8’20 Fr.: Unser Musikredakteur Hartmut Hahn denkt sich meistens etwas bei der Musik. Was mag er sich wohl bei diesem Titel gedacht haben.
Zi.: Dass wir nun drüber reden werden.
Fr.: Wie kann man nur über Bier reden
Zi.: Na, trinken kann man es nicht.
Fr.: Und bitte warum nicht?
Zi.: Weil sich im Dienst befindliche Wanderer erstens kein Bier trinken ...
Fr.: und zweitens ...
Zi.: weil man das Bier hier nicht trinken kann, ... also, früher schmeckte es nicht ... heute ist das natürlich ganz was anderes.
Fr.: Und warum schmeckte es früher nicht?
Zi.: Was weiß denn ich, hab’ ich’s gebraut.
Fr.: Dann würde es gleich gar nicht schmecken.
Zi.: Also, Ende des 17. Jahrhunderts wurde vor allen Dingen Alt - Landsberger Bier hier ausgeschenkt und ein wenig auch Bernauer Bier ...
Fr.: Das hatte doch einen guten Namen.
Zi.: Du musst den lieben Jürgen nicht immer unterbrechen. Um 1650 durfte der hiesige Krüger selbst brauen und er mischte beide Sorten und eigenes zusammen und so entstand die berühmte Werneuchener Mantsch-Suppe.
Fr.: Der Krüger hieß Mantsch?
Zi.: So ist es!
Fr.: Werneuchen war mal die Stadt der Gaststätten.
Zi.: War mal ... als die Landstraße nach Freienwalde gebaut wurde, da gab es 1849 allein in der damaligen Berliner- und in der Chausseestraße 14 Gaststätten.
Fr.: Na, da wäre ich aber gern hier gewesen.
Zi.: Bloß, Dich hätten sie nicht als Bürger hier aufgenommen.
Fr.: Erlaub mal ...
Zi.: Ich erlaube gar nichts. Der Magistrat erlaubte Zuzug nur dem, der 10 Taler Anzugsgeld in die Stadtkasse legen konnte. Und hast Du 10 Taler?
Fr.: Nee, aber drei Anzüge !!!
8’24 (Gespräch mit dem Vorsitzenden der PGH Holzveredlung)
8’27 Musik ....
8’33 Fr.: Und was sagt man sonst noch so in Werneuchen?
Zi.: Ja, da gibt es natürlich eine Menge Sagen. Kein Wunder bei einer Stadt mit viel Geschichte, da muss es ja Geschichten geben.
Fr.: Na, erzähl’ mal!
Zi.: Da ist der Gamengrund im Blumenthal, wo schon Pastor Schmidt .. Jetzt fällt mir ein. ich hab’ ja das Gedicht noch gar nicht ...
Fr.: Das hat Zeit, erzähl mal, wie das Blumenthal aussieht.
Zi.: Es heißt, der Blumenthal ...
Fr.: Jürgen ... das Tal,
Zi.: Aber der Blumenthal ... deswegen, weil da eine Werneuchen benachbarte Stadt namens Blumenthal gewesen ist, die 1350 von der Pest dergestalt heimgesucht wurde, dass fast alle Bewohner verstarben und die restlichen auswanderten. Die Sage machte aus Blumenthal eine versunkene reiche Stadt. An der „Stadtstelle“ findet man heute noch Spuren alter Besiedlung und darum ranken sich viele Sagen.
Fr.: Vor vielen Jahren also ...
Zi.: Vor vielen Jahren also fand ein Schäfer auf einem dicken Eichenstumpf einen Groschen, am nächsten Tag wieder einen - und das jedem Tag. Der Schäfer, der sich in solchen Dingen auskannte, wie alle Schäfer früher, wusste, dass er von seinem Fund niemanden etwas erzählen durfte, sonst hätte er kein Geld mehr gefunden. Da Schäfer ohnehin sehr schweigsame Leute sind, fiel ihm das auch nicht schwer. Er sammelte Tag für Tag und versteckte alles in einem Strumpf im Bett. Das ging neun Jahre gut. Nun war der Schäfer auch verheiratet. Man weiß nicht, wie die Frau aussah, jedenfalls kam sie nach besagten neun Jahren doch zu ihm ins Bett, spürte zu ihrem erstaunen was hartes, - das war der Strumpf mit den Talern, - und es kam zu einer Szene. Sie war enttäuscht von ihrem Mann, denn er hatte ja nichts von dem Geld gesagt. Der Schäfer gestand alles und fort waren die Groschen !!!
Fr.: Und die Moral von der Geschichte’ ...
Zi.: Man soll in eines Mannes Bett, keine unnützen Fragen stellen ...
8’35 Musik ...
8’38 (Gespräch mit Hans-Dieter Graßmann [Bürgermeister, Anmerkung die Redaktion])
· über die Umgebung; Gamengrund; Seen; im Blumenthalsee soll ein gelber Koffer sein.
Musik, Musik, Musik.....
Zi.: Das Nackte ist verrucht. Die Sittlichkeit braucht Kleider. Menschheit zieh’ dich an - so predigen die Schneider !
Fr.: Wie kommst Du auf dieses?
Zi.: Ich will mir sogleich einen Anzug schneidern lassen.
Fr.: Dann war das also gewissermaßen die Einstimmung.
Zi.: Ja, denn vorher fahren wir noch zur Hölle!
8’51 Musik
8’54 (Gespräch mit Werner Rattunde, Schneidermeister)
· Auf Titel bezogen, mutige Leute; dass sie wenig essen, stimmt nicht; Schneidersitz; Die ganze Familie schneidert mit; das wichtigste ist der Zuschnitt; ruhige Hand dazu beim Angeln
8’58 Musik
9’04 (Gespräch mit Franz Müller, Direktor VEG Obstbau)
· Was will denn jetzt noch von Baum und Strauch; Zufrieden mit den Äpfeln; Johannisbeeren mit Pflückmaschine, wie macht man’s; geht das auch bei Stachelbeeren; Obstsäfte/Grünspargel gesünder/Kirschen
9’08 Musik
9’14 Fr.: Weißt Du, jetzt könnten wir eigentlich mal über den Werneuchener Dichterpastor reden.
Zi.: Jetzt darf ich das Gedicht aufsagen ?!!!?
Fr.: Ich meine, wir sollten ein wenig darüber plaudern, wer Schmidt war.
Zi.: Pfarrer in Werneuchen und Dichter. Zeitgenosse Goethes.
Fr.: Und was hielt Goethe von Schmidt?
Zi.: Nichts - oder wenigstens doch so viel, dass er ihm sogar ein Gedicht schrieb.
Fr.: Also doch !!!
Zi.: Es ist ein satirisches Gedicht, benannt: „Musen und Grazien in der Mark“, darinnen mokiert sich der Dichterfürst über die platten und rohen Natürlichkeiten Schmidts. Folglich wurden Schmidts Gedichte bald vergessen und er lebte in der Literaturgeschichte nur noch als Zielscheibe von Goethes Spott.
Fr.: Und die anderen Zeitgenossen, was hielten sie von Schmidt?
Zi.: Du meinst Schiller, Tieck, Schlegel, Chamisso; sie hielten von Schmidt sehr viel ... weniger, nämlich gar nichts -
Fr.: Und warum zitieren wir ihn dann?
Zi.: Tja, Wieland, Grimms erkannte neben dichterischen Schwächen, die offenkundige Begabung des Dichterpastoren an und gar Fontane würdigte ausgewogen das poetische Werk Schmidts, des Dichters ländlichen Lebens, der auch sonst ein sehr angenehmer, sehr leidlicher und sehr geselliger Zeitgenosse gewesen sein soll.
9’15 Musik
9’18 Fr.: Das Lied hat selbstredend nichts mit Friedrich-Wilhelm-August Schmidt zu tun.
Zi.: Selbstredend nicht - aber vielleicht ist jetzt ein kleiner Ausschnitt aus seinem Gedicht „Dorfbewohner“ gefällig?
Fr.: Wir bitten darum, lieber Jürgen!
Zi.: Frühmorgens propfen wir, stängeln Hopfen und säen Spinat und Kopfsalat.
Der Wein voll Tropfen und knospen jetzt, wird angestützt. Bei ihrer Bleiche singt durchs Gesträuch den Arm geschürzt, den Rock gekürzt, die Dirn am Teich
und spritzt auf Gras die Leinwand naß. Das Hüttchens Mutter macht Käs und Butter, denn jetzt beschert die Kuh, genährt mit grünem Futter im Elsenbruch ihr Milch genug. Die Lust zu mehren, wann’s warm ist scheren wir Schafe noch, so schmaust man doch um zwölf mit Ehren sein klein Gericht und schämt sich nicht.
9’19 Musik
9’25 Zi.: (Gespräch mit Günter Weber, Vorsitzender des VKSK)
· 26./27.09 war Leistungsschau, was haben sie sich geleistet.
· Hühner, Tauben, Enten, Gänse werden besonders gehalten. Vielleicht reden wir mal über Gänse.
9’29 Musik
9’35 Fr.: Nicht immer war Werneuchen Stadt.
Zi.: Es war Siedlung, Dorf und Flecken.
Fr.: Das ist so ein Mittelding zwischen Dorf und Stadt.
Zi.: Ja, noch Anfang des 16. Jahrhunderts nennt man es einen Flecken. Majestät mussten sich sogar mit des Schusters Leisten beschäftigen.
Fr.: Wie das?
Zi.: Vornehmlich dadurch, weil sich auch hier die Leute die Schuhsohlen durchliefen und mit durchgelaufenen Schuhsohlen konnte man schlecht in die nächste Stadt laufen zum Schuhmacher, um sich neue machen zu lassen. Drum verfügten zuständige Majestät durch Kabinettsorder 1735, dass die „Ansetzung eines Schusters hier nicht verweigert werden dürfe“, selbiger müsse allerdings sein Meisterrecht in der Stadt erworben haben und es mit den Handwerkern der nächsten Stadt halten.
Fr.: Worum sich so ein König alles kümmerte.
Zi.: Kennste den? Trifft ein Arzt seinen Schuhmacher. „Na“, sagt der zum Meister der Leisten, „zu Hause alles gesund?“ „Danke“, entgegnet Meister Pfriem ... „und bei Ihnen? Alle Schuhe in Ordnung?“
9’35 Musik
9’38 Zi.: Gespräch mit Lothar Lehrke, Schuhmachermeister)
· Bei Ihnen noch alle Schuhe in Ordnung
· Meister Pfriem
· Aber Leisten gibt es noch
· Wer kauft Schuhe nach Maß
· Orthopädische Schuhe
· Und wenn der Absatz ab ist
· wann soll man keine neuen Schuhe anziehen
9’42 Musik
9’47 Fr.: (Nationale Front)
9’50 Musik
9’56 Zi.: Ja, mein lieber Rudi, das ist das Ende.
Fr.: Unserere Sendung, möchte ich betonen.
Zi.: Was dachtest Du. Es war nett in Werneuchen.
Fr.: Schönen Dank; Euch allen hier.
Zi.: Schönen Dank auch für das Bier ...
Fr.: Jürgen !!!
Zi.: Das wir jetzt bekommen ... mit dieser guten Aussicht auch Ihnen, liebe Hörer, einen schönen Samstag, bis uns Novemberwinde zusammenweh’n, in vier Wochen in Heinersdorf !!!
Musik (Abspann)
Anmerkung der Redaktion. Dieses Protokoll stellt nicht nur eine einmalige Dokumentation über das dar, was durch wem wann über Werneuchen gesprochen wurde, sondern enthält kleine Anekdoten aus der Geschichte unseres Heimatortes. Durch die Sendung führten damals, der Moderator Jürgen Zierke (Zi.) und der Reporter Rudi Fritsche (Fr.).
8’00 Uhr Vorprogramm
8’01 Zi.: Mailüftchen fächern, aus Sumpf und Löchern schlüpft Haselmaus und Frosch heraus. An unsern Dächern klebt froh ihr Nest die Schwalbe fest.
Zu beiden Seiten der Laube ...
Fr.: Bei aller Wertschätzung, Jürgen, aber sollte Dir vielleicht entgangen sein, dass die Schwalben schon längst unterwegs sind in den Süden und dass wir statt gefächerten Mailüftchen nun bald Oktoberstürme atmen??
Zi.: Mitnichten, lieber Rudi, ist mir dies entgangen, aber dieses Gedicht ist das einzige, welches ich fand von ihm ...
Fr.: von wem?
Zi.: Selbstverständlich von Friedrich Wilhelm August Schmidt.
Fr.: Selbstverständlich von Friedrich Wilhelm August Schmidt! Und wer ist das ... Bitte?
Zi.: Da fragst Du noch? Das weiß doch hier jedes Kind.
Fr.: So? Dann frag doch mal ein Kind !!!
Zi.: Na, dann frag’ ich halt ... Weißt Du, wer Friedrich Wilhelm August Schmidt war?
Kind: Das war ein Dichter, der hier in Werneuchen lebte und predigte, geboren am 23. März 1764 in Fahrland, gestorben am 26. April 1838 hier in Werneuchen.
Fr.: Ach, der alte Schmidt, ja den kenn’ ich natürlich. Und von dem ist das Gedicht?
Zi.: Soll ich das jetzt weiter aufsagen?
Fr.: Wie viel Strophen hat es denn?
Zi.: Siebzehn ...
Fr.: Sollten wir nicht vielleicht lieber erst ein wenig Musik spielen?
Zi.: Das können wir auch .. ist Dir was herbstliches recht?
Fr.: Natürlich, ich gehe ja mit der Zeit.
Zi.: Na, denn !!
8’02 Musik:
8’05 Fr.: Meinst Du, das war der rechte musikalische Einstig?
Zi.: Nein, aber Du hattest Dir ja was herbstliches gewünscht - und herbstlich war’s!
Fr.: herbstlich, herbstlich - da war doch noch was? Ach ja, herzlich willkommen, liebe Hörer, zu unserer musikalischen Wanderung ....
Zi.: durch den Oderbezirk und heute grüßen wir Sie aus Werneuchen.
Wenn ich vielleicht die anderen Verse ...
Fr.: Vielleicht sollten wir unseren Wanderfreunden erst einmal etwas über Werneuchen erzählen, es kann doch sein, dass noch nicht alle in Werneuchen waren.
Zi.: Auch das, Rudi, auch das ... man sucht auf der Karte unsere Hauptstadt, blickt dann in nordöstliche Richtung in den Kreis Bernau und wird Werneuchen finden, an der Bahnstrecke Berlin-Wriezen, an der Fernverkehrsstraße Berlin - Freienwalde.
Fr.: Werneuchen - und wer gab der Stadt den Namen?
Zi.: Ja, Rudi - das ist ganz was anderes und auch eine unfaire Frage, weil Du weißt, dass ich es auch nicht weiß. Fest steht jedenfalls, dass der Ort höheren Alters ist ...
Fr.: Na, das ist doch schon sehr interessant!
Zi.: ... höheren Alters ist, als in der ersten bekannten Urkunde ausgewiesen und die stammt vom 29. April 1247.
Fr.: Und der Name?
Zi.: Also bitte! Der Name lautete zunächst Warnow, dann Warnowe, später im 16. Jahrhundert Bernauicke, Bernowicke, Bernöwichen, Mitte des 17. Jahrhunderts Vernoicke, dann Wernöwchen, schließlich Werneuchen!
Fr.: Alle Wetter ... und was heißt Werneuchen?
Zi.: Du schaffst auch den geduldigsten Erzähler. Es gibt genau so viele Deutungen, wie bereits aufgezählte Namen. Etwa Befestigung, Krähenhorst, Sumpfgebiet ... es kann aber auch vom Namen eines alten Fürsten abgeleitet sein.
Fr.: Na, das ist ja ganz interessant, aber glaubst Du dass es unsere Hörer am Samstagmorgen interessiert.
Zi.: Also, das ist doch ein starkes Stück!!!
8’06 Musik
8’09 Zi.: (Gespräch mit dem Bürgermeister Hans-Dieter Graßmann)
8’13 Musik: Musik:
8’20 Fr.: Unser Musikredakteur Hartmut Hahn denkt sich meistens etwas bei der Musik. Was mag er sich wohl bei diesem Titel gedacht haben.
Zi.: Dass wir nun drüber reden werden.
Fr.: Wie kann man nur über Bier reden
Zi.: Na, trinken kann man es nicht.
Fr.: Und bitte warum nicht?
Zi.: Weil sich im Dienst befindliche Wanderer erstens kein Bier trinken ...
Fr.: und zweitens ...
Zi.: weil man das Bier hier nicht trinken kann, ... also, früher schmeckte es nicht ... heute ist das natürlich ganz was anderes.
Fr.: Und warum schmeckte es früher nicht?
Zi.: Was weiß denn ich, hab’ ich’s gebraut.
Fr.: Dann würde es gleich gar nicht schmecken.
Zi.: Also, Ende des 17. Jahrhunderts wurde vor allen Dingen Alt - Landsberger Bier hier ausgeschenkt und ein wenig auch Bernauer Bier ...
Fr.: Das hatte doch einen guten Namen.
Zi.: Du musst den lieben Jürgen nicht immer unterbrechen. Um 1650 durfte der hiesige Krüger selbst brauen und er mischte beide Sorten und eigenes zusammen und so entstand die berühmte Werneuchener Mantsch-Suppe.
Fr.: Der Krüger hieß Mantsch?
Zi.: So ist es!
Fr.: Werneuchen war mal die Stadt der Gaststätten.
Zi.: War mal ... als die Landstraße nach Freienwalde gebaut wurde, da gab es 1849 allein in der damaligen Berliner- und in der Chausseestraße 14 Gaststätten.
Fr.: Na, da wäre ich aber gern hier gewesen.
Zi.: Bloß, Dich hätten sie nicht als Bürger hier aufgenommen.
Fr.: Erlaub mal ...
Zi.: Ich erlaube gar nichts. Der Magistrat erlaubte Zuzug nur dem, der 10 Taler Anzugsgeld in die Stadtkasse legen konnte. Und hast Du 10 Taler?
Fr.: Nee, aber drei Anzüge !!!
8’24 (Gespräch mit dem Vorsitzenden der PGH Holzveredlung)
8’27 Musik ....
8’33 Fr.: Und was sagt man sonst noch so in Werneuchen?
Zi.: Ja, da gibt es natürlich eine Menge Sagen. Kein Wunder bei einer Stadt mit viel Geschichte, da muss es ja Geschichten geben.
Fr.: Na, erzähl’ mal!
Zi.: Da ist der Gamengrund im Blumenthal, wo schon Pastor Schmidt .. Jetzt fällt mir ein. ich hab’ ja das Gedicht noch gar nicht ...
Fr.: Das hat Zeit, erzähl mal, wie das Blumenthal aussieht.
Zi.: Es heißt, der Blumenthal ...
Fr.: Jürgen ... das Tal,
Zi.: Aber der Blumenthal ... deswegen, weil da eine Werneuchen benachbarte Stadt namens Blumenthal gewesen ist, die 1350 von der Pest dergestalt heimgesucht wurde, dass fast alle Bewohner verstarben und die restlichen auswanderten. Die Sage machte aus Blumenthal eine versunkene reiche Stadt. An der „Stadtstelle“ findet man heute noch Spuren alter Besiedlung und darum ranken sich viele Sagen.
Fr.: Vor vielen Jahren also ...
Zi.: Vor vielen Jahren also fand ein Schäfer auf einem dicken Eichenstumpf einen Groschen, am nächsten Tag wieder einen - und das jedem Tag. Der Schäfer, der sich in solchen Dingen auskannte, wie alle Schäfer früher, wusste, dass er von seinem Fund niemanden etwas erzählen durfte, sonst hätte er kein Geld mehr gefunden. Da Schäfer ohnehin sehr schweigsame Leute sind, fiel ihm das auch nicht schwer. Er sammelte Tag für Tag und versteckte alles in einem Strumpf im Bett. Das ging neun Jahre gut. Nun war der Schäfer auch verheiratet. Man weiß nicht, wie die Frau aussah, jedenfalls kam sie nach besagten neun Jahren doch zu ihm ins Bett, spürte zu ihrem erstaunen was hartes, - das war der Strumpf mit den Talern, - und es kam zu einer Szene. Sie war enttäuscht von ihrem Mann, denn er hatte ja nichts von dem Geld gesagt. Der Schäfer gestand alles und fort waren die Groschen !!!
Fr.: Und die Moral von der Geschichte’ ...
Zi.: Man soll in eines Mannes Bett, keine unnützen Fragen stellen ...
8’35 Musik ...
8’38 (Gespräch mit Hans-Dieter Graßmann [Bürgermeister, Anmerkung die Redaktion])
· über die Umgebung; Gamengrund; Seen; im Blumenthalsee soll ein gelber Koffer sein.
Musik, Musik, Musik.....
Zi.: Das Nackte ist verrucht. Die Sittlichkeit braucht Kleider. Menschheit zieh’ dich an - so predigen die Schneider !
Fr.: Wie kommst Du auf dieses?
Zi.: Ich will mir sogleich einen Anzug schneidern lassen.
Fr.: Dann war das also gewissermaßen die Einstimmung.
Zi.: Ja, denn vorher fahren wir noch zur Hölle!
8’51 Musik
8’54 (Gespräch mit Werner Rattunde, Schneidermeister)
· Auf Titel bezogen, mutige Leute; dass sie wenig essen, stimmt nicht; Schneidersitz; Die ganze Familie schneidert mit; das wichtigste ist der Zuschnitt; ruhige Hand dazu beim Angeln
8’58 Musik
9’04 (Gespräch mit Franz Müller, Direktor VEG Obstbau)
· Was will denn jetzt noch von Baum und Strauch; Zufrieden mit den Äpfeln; Johannisbeeren mit Pflückmaschine, wie macht man’s; geht das auch bei Stachelbeeren; Obstsäfte/Grünspargel gesünder/Kirschen
9’08 Musik
9’14 Fr.: Weißt Du, jetzt könnten wir eigentlich mal über den Werneuchener Dichterpastor reden.
Zi.: Jetzt darf ich das Gedicht aufsagen ?!!!?
Fr.: Ich meine, wir sollten ein wenig darüber plaudern, wer Schmidt war.
Zi.: Pfarrer in Werneuchen und Dichter. Zeitgenosse Goethes.
Fr.: Und was hielt Goethe von Schmidt?
Zi.: Nichts - oder wenigstens doch so viel, dass er ihm sogar ein Gedicht schrieb.
Fr.: Also doch !!!
Zi.: Es ist ein satirisches Gedicht, benannt: „Musen und Grazien in der Mark“, darinnen mokiert sich der Dichterfürst über die platten und rohen Natürlichkeiten Schmidts. Folglich wurden Schmidts Gedichte bald vergessen und er lebte in der Literaturgeschichte nur noch als Zielscheibe von Goethes Spott.
Fr.: Und die anderen Zeitgenossen, was hielten sie von Schmidt?
Zi.: Du meinst Schiller, Tieck, Schlegel, Chamisso; sie hielten von Schmidt sehr viel ... weniger, nämlich gar nichts -
Fr.: Und warum zitieren wir ihn dann?
Zi.: Tja, Wieland, Grimms erkannte neben dichterischen Schwächen, die offenkundige Begabung des Dichterpastoren an und gar Fontane würdigte ausgewogen das poetische Werk Schmidts, des Dichters ländlichen Lebens, der auch sonst ein sehr angenehmer, sehr leidlicher und sehr geselliger Zeitgenosse gewesen sein soll.
9’15 Musik
9’18 Fr.: Das Lied hat selbstredend nichts mit Friedrich-Wilhelm-August Schmidt zu tun.
Zi.: Selbstredend nicht - aber vielleicht ist jetzt ein kleiner Ausschnitt aus seinem Gedicht „Dorfbewohner“ gefällig?
Fr.: Wir bitten darum, lieber Jürgen!
Zi.: Frühmorgens propfen wir, stängeln Hopfen und säen Spinat und Kopfsalat.
Der Wein voll Tropfen und knospen jetzt, wird angestützt. Bei ihrer Bleiche singt durchs Gesträuch den Arm geschürzt, den Rock gekürzt, die Dirn am Teich
und spritzt auf Gras die Leinwand naß. Das Hüttchens Mutter macht Käs und Butter, denn jetzt beschert die Kuh, genährt mit grünem Futter im Elsenbruch ihr Milch genug. Die Lust zu mehren, wann’s warm ist scheren wir Schafe noch, so schmaust man doch um zwölf mit Ehren sein klein Gericht und schämt sich nicht.
9’19 Musik
9’25 Zi.: (Gespräch mit Günter Weber, Vorsitzender des VKSK)
· 26./27.09 war Leistungsschau, was haben sie sich geleistet.
· Hühner, Tauben, Enten, Gänse werden besonders gehalten. Vielleicht reden wir mal über Gänse.
9’29 Musik
9’35 Fr.: Nicht immer war Werneuchen Stadt.
Zi.: Es war Siedlung, Dorf und Flecken.
Fr.: Das ist so ein Mittelding zwischen Dorf und Stadt.
Zi.: Ja, noch Anfang des 16. Jahrhunderts nennt man es einen Flecken. Majestät mussten sich sogar mit des Schusters Leisten beschäftigen.
Fr.: Wie das?
Zi.: Vornehmlich dadurch, weil sich auch hier die Leute die Schuhsohlen durchliefen und mit durchgelaufenen Schuhsohlen konnte man schlecht in die nächste Stadt laufen zum Schuhmacher, um sich neue machen zu lassen. Drum verfügten zuständige Majestät durch Kabinettsorder 1735, dass die „Ansetzung eines Schusters hier nicht verweigert werden dürfe“, selbiger müsse allerdings sein Meisterrecht in der Stadt erworben haben und es mit den Handwerkern der nächsten Stadt halten.
Fr.: Worum sich so ein König alles kümmerte.
Zi.: Kennste den? Trifft ein Arzt seinen Schuhmacher. „Na“, sagt der zum Meister der Leisten, „zu Hause alles gesund?“ „Danke“, entgegnet Meister Pfriem ... „und bei Ihnen? Alle Schuhe in Ordnung?“
9’35 Musik
9’38 Zi.: Gespräch mit Lothar Lehrke, Schuhmachermeister)
· Bei Ihnen noch alle Schuhe in Ordnung
· Meister Pfriem
· Aber Leisten gibt es noch
· Wer kauft Schuhe nach Maß
· Orthopädische Schuhe
· Und wenn der Absatz ab ist
· wann soll man keine neuen Schuhe anziehen
9’42 Musik
9’47 Fr.: (Nationale Front)
9’50 Musik
9’56 Zi.: Ja, mein lieber Rudi, das ist das Ende.
Fr.: Unserere Sendung, möchte ich betonen.
Zi.: Was dachtest Du. Es war nett in Werneuchen.
Fr.: Schönen Dank; Euch allen hier.
Zi.: Schönen Dank auch für das Bier ...
Fr.: Jürgen !!!
Zi.: Das wir jetzt bekommen ... mit dieser guten Aussicht auch Ihnen, liebe Hörer, einen schönen Samstag, bis uns Novemberwinde zusammenweh’n, in vier Wochen in Heinersdorf !!!
Musik (Abspann)



