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Amtsblatt für die Stadt Werneuchen

Amtsblatt für die Stadt Werneuchen
aktuelles Amtsblatt Ausgabe Nr. 5/2013 vom 15.05.2013

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Die Stadtkirche

Kirchen im ländlichen Raum – Band 1, Matthias Friske
Die mittelalterlichen Kirchen auf dem Barnim
Geschichte – Architektur – Ausstattung Lukas Verlag

Werneuchen

Lage
Die Kirche mit dem Friedhof befindet sich in der Nordostecke des Gitterartigen Straßennetzes der Gründungssiedlung. Der stadtartige Siedlungskern lag westlich der Stienitz an einer angerartig verbreiterten Durchgangsstraße mit fünf kurzen Längs- und Querstraßen. Am nördlichsten Ausgang nach Wriezen befand sich ehemals ein Kietz.

Geschichte
Ein Pleban Johannes de Warnowe wurde 1247 in einer Zehntverschreibung von 100 Hufen Land an das Walkenrieder Kloster als Zeuge erwähnt. Damals war er bischöflicher Kapellan (1). 1249 trat derselbe Pleban von Werneuchen in einer Zehntverschreibung Bischof Rutgers an das Lehniner Kloster in den novae terrae wieder als Zeuge auf (2). 1300 war er ein Pfarrer Balduin von Werneuchen Urkundenzeuge (3). 1375 als Oppidum bezeichnet, gehörten stattliche 109 Hufen zur Gemarkung, davon vier Pfarr- und eine Kirchenhufe. Als Ortsherr wurde ein Schenk von Sydow genannt (4). Vor 1416 geriet Werneuchen in den Besitz der von Krummensee (5). 1459 zählte der Ort zur Propstei Bernau (6).1542 wurde Werneuchen visitiert. Damals waren die Krummensee Patrone des stedlein. Neben den Pfarr- gab es noch ein Küsterhaus (7). 1586 wurde ein Pfarrer Johann Raue von den Kirchenpatronen abgesetzt >>wegen harten Predigen<< (8). Am 14 Juli 1637 wurde die Kirche vollständig zerstört (9).

Äußeres
Länge Chor: 9.5 m; Breite: 8.2 m; Turm und Schiff zusammen mindestens doppelt so lang wie der Chor (10). Die heutige Kirche ist im wesentlichen ein Baukörper aus dem Jahre 1873. Damals wurde die mittelalterliche Feldsteinkirche abgerissen und durch einen geräumigen Neubau ersetzt. Von dem mittelalterlichen Bau hat sich nur der rechteckige Chor erhalten. Schiff und Turm wurden dagegen in Backstein und mit wieder verwendeten Feldsteinen neu errichtet. Leider existieren keine Bauaufnahmen des zerstörten alten Baues. Nur bei Fontane findet sich eine Skizze der alten Kirche. Auf ihr ist ein gerade geschlossener Chor, ein breites rechteckiges Schiff und ein querrechteckiger Westturm in Schiffsbreite zu erkennen (11). Zur Fensterverteilung des verlorenen Teiles lässt sich aufgrund dieser Skizzen jedoch nichts genaues sagen. Der Chorraum ist rechteckig. Er besteht aus regelmäßigen Feldsteinquadern. An der Nordseite sind mindestens zwei alte Fenster sichtbar, ein drittes ist wahrscheinlich. Die Südseite ist völlig verändert. An der Ostseite finden sich links und rechts neben dem neuen Fenster zwei vermauerte lanzenettenförmige, sehr schmale Fenster des Ursprungsbaues. Die Lage dieser Fenster macht eine ursprüngliche Drei – Fenster – Gruppe wahrscheinlich. Es ist anzunehmen, dass auch Schiff und Chor aus regelmäßigen Feldsteinen errichtet waren, auch wenn Fontane dazu explizit keine Aussagen macht.

Innenraum
Das Chorinnere wird überspannt von einem zweijochigen Netzgewölbe, das in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts datiert wird (12). Stilistisch steht dieses Gewölbe dem des Altlandsberger Langhauses sehr nahe (ca. 1517 datiert (13)). Der Kirche gehörten 1542 zwei silberne Kelche, eine silberne Monstranz und ein Pacem. 1600 wurden zwei Kelche, zwei Patenen, zwei Altarleuchter, eine Kasel aus Samt und eine Missale aus Papier erwähnt (14). Heute existieren keine alten Ausstattungsstücke mehr. 1745 soll eine Glocke aus dem Jahre 1330 umgegossen worden sein, die die Aufschrift: >>O Rex Glorie veni cum pace<< (15). Diese Nachricht verwundert, weil die Kirche 1637 so abgebrannt sein soll, dass dabei fünf Glocken zerschmolzen und anschließend über Jahre im Gärtnerhaus Gottesdienst gehalten werden musste (16).

Zusammenfassung
Der Gründungsbau entstammt dem 13. Jahrhundert. Es handelt sich um eine Chorquadratkirche mit Turm. An der Ostseite gab es lediglich zwei Fenster, an den Seiten zwei mal drei. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde der Chor mit einem zweijochigen Netzrippengewölbe versehen. Hierbei handelt es sich um einen ausgesprochen repräsentativen Gewölbetypus. Leider wissen wir nicht, ob und wenn ja wie das Schiff gewölbt war. Auch über den Turm lassen sich keine gesicherten Aussagen machen. Allerdings ist bei seiner Gestalt wahrscheinlich, dass er ursprünglich ein tonnengewölbtes Untergeschoss besaß. Immerhin hätte der Landbesitz Werneuchens und der überlieferte Status eines Oppidums durchaus auch einen basilikalen Bau des 13. Jahrhunderts erwarten lassen. Da Werneuchen einen stadtähnlichen Status bis in das Spätmittelalter bewahren konnte ist das repräsentative Chorgewölbe nicht ungewöhnlich und man könnte durchaus auch ein Gewölbe im Schiff vermuten.Die Nachricht von 1745 könnte sich unter Umständen auch auf eine nach dem Dreißigjährigen Krieg aus einem anderen Ort >>importierte<< Glocke handeln.

(1) Vgl. Riedel, A XIII, S. 315f.
(2) Vgl. Riedel, A X, S. 205.
(3) Vgl. Riedel, A XII, S. 413 und XIII, S. 9.
(4) Vgl. Landbuch, s. 64, 72 und 151.
(5) Vgl. Ortslexikon, S. 614f.
(6) Vgl. Riedel, A VIII, S. 418.
(7) Vgl. Herold, Visitation Barnim, Bl. 298.
(8) Aus dem Bekmannschen Nachlass, zit. bei R. Schmidt, Werneuchen, S. 17.
(9) Vgl. Bekmann, Nachlass, Nr. 46, Bl. 1r. vgl. auch R. Schmidt, Werneuchen, S. 16f.
(10) Vgl. Skizze bei Fontane, Spreewald, S. 592. Das moderne Schiff ist 25,2 m lang und könnte auf dem Fundament vom alten Schiff und Turm errichtet worden sein.
(11) Abb. Fontane, Spreewald, S. 592.
(12) Vgl. KD Frkft. S. 132.
(13) Vgl. Friske, Altlandsberg, S. 8.
(14) Vgl. Herold, Visitation Barnim, Bl. 299 und Riedel, A XII, S. 203. Herold, Visitation 1542, S. 101f scheint Bernauiken mit Bernau zu verwechseln, denn er nimmt diese Stelle für Bernau in Anspruch.
(15) Vgl. R. Schmidt, Werneuchen, S. 15. Das Jahr 1330 scheint ein Schätzdatum zu sein, da keine inschriftliche Datierung erwähnt wurde.
(16) Vgl. Bekmann, Nachlass, Nr. 46, Bl. 1v und R. Schmidt, Werneuchen, S. 16.

Ostteile des Chores, beim Umbau 1873 blieb nur der alte Chor erhalten
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Ostteile des Chores, beim Umbau 1873 blieb nur der alte Chor erhalten




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Kreisarchiv – Barnim

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Handgeläut (z.Z. defekter Läutemotor und Taktgeber) der großen Glocke in der Stadtkirche Werneuchen aufgenommen von Herrn Martin Buchmeier

Dateianhang: 'WMV'-Datei herunterladen (Geläut der Stadtkirche Werneuchen) Geläut der Stadtkirche Werneuchen (28785KB)



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