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aktuelles Amtsblatt Ausgabe Nr. 6/2013 vom 19.06.2013

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Eine sagenhafte Erzählung

Das Kirchenbuch berichtet von einem merkwürdigen Vorgang aus dem Jahre 1653, der noch bis heute unaufgeklärt geblieben ist. Wir lassen diese Eintragung in der Schreibweise des Originals hier folgen:

Anna Maria

Anno 1653 ist all hier in Werneuchen eine Weibsperson gekommen, hat sich nennen lassen Anna Maria, ohngefähr 25 Jahre alt, hat bey sich gehabt eine Dienerin, selbe hat sich bei denn Herrn Bürgermeister gemeldet und sehr gebeten, man möchte ihr doch ein Jahr lang lassen die Schweine hüten, und da selbe wol gekleidet und von schönen Ansehen, haben die Bürgermeister sie befragt, wer sie sey, woher sie komme und warum sie die Schweine zu hüten verlange, darauf sie aber keine genaue Antwort hat geben wollen, sondern bei ihrem petito geblieben, man möchte ihr concedieren, ein Jahr um das damals gewöhnliche Lohn 30 Scheffel Roggen, die Schweine zu hüten, worin auch die Bürgermeister gewilligten. Sobald nun die Zeit Schweine auszujagen heran gekommen, hat selbst ein Pferd gekauft und einen Quersattel, ist des Morgens herumgeritten und hat gerufen: Jaget die Schweine ab, ihre Magd hat müssen helfen die Schweine austreiben, welche sie auch bis ins Feld zu Pferde begleitet, die Magd allein bey den Schweinen gelassen; Sie aber war wieder nach ihrer Wohnung geritten, da sie des Tages die Zeit mit Knöppeln und Nähen, welches sie gar schön gekonnt, verpassiret. Bisweilen ist sie nachher Frankfurt, Beerwalde, Bernau und anderen Orten geritten, hat auch wohl Mannes Kleider angezogen, einen Federbusch auf dem Hut gehabt. Wen sie aber hier gewesen, hat sie alle Morgen ihren Dienst zu Pferde verrichtet, bis ihr Jahr auß gewesen, da sie nicht eher wollen weggehen, bevor ihr der Abschied schriftlich ertheilt. Ohngefähr nach 1 Jahre ist selbe allhier gesuchet. Nach 5 Jahren ist sie wieder hier durch passiert und hat sich in sehr schönen kostbaren Kleidern sehen lassen, man hat zu der Zeit vermeinet, es sey diese Persohn eine vornehme Dame von Adel aus einem Kloster, welche die Schweine zu hüten zur Poenitenz auferlegt.

Aus: Heimatkundliche Mitteilungen - Rudolf Schmidt (Eberswalde)

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