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aktuelles Amtsblatt Ausgabe Nr. 4/2012 vom 16.05.2012

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Werneuchen im Jahre 1925

Auszug aus den heimatkundlichen Mitteilungen (im Auftrage des Kreisausschusses des Kreises Oberbarnim) bearbeitet von Rudolf Schmidt - Eberswalde [aufgearbeitet von Fritz Wagenseil]

Das Gemeindegebiet der rund 2300 Einwohner zählenden Stadt Werneuchen in dem brandenburgischen Kreise Oberbarnim umfaßt eine Fläche von 1898,6 Hektar, darunter 1633 Hektar Ackerland, 52 Hektar Wiese und 117,8 Hektar Waldbestand.

Die Stadt hat 20 Straßenzüge, nämlich:

Altstadt-Straße; Am Platz (heute Markt); Bahnhofstraße, Beiersdorfer Straße; Berliner Straße; Chausseestraße (heute Freienwalder Straße); Freienwalder Chaussee; Köpenicker Straße; Kirchstraße; Löhmer Weg; Landsberger Straße; Mühlenstraße; Postweg (heute Poststraße); Stadtweg; Wegendorfer Straße; Wegendorfer Chaussee; Weesower Chaussee; Weesower Straße (heute Am Bahnhof); Schulstraße und Breitestraße.

Dazu kommen noch die beiden Kolonien Amselhain und Rudolfshöhe mit je einigen Privatstraßen.

Die Kolonie Rudolfshöhe, ca. 200 Morgen umfassend, ist vor dem Weltkrieg unter dem Namen Neu-Messina (in Erinnerung an das große Messina-Erdbebenunglück) angelegt. Das Gesamtareal war vom Kaufmann Hindenberg und dem Regierungs-Landmesser Rudolf Küchenmeister aufgekauft und parzelliert worden. Nach letzteren, der den Weltkrieg mitmachte und 1915 in den Karpaten fiel, hat den Namen „Rudolfshöhe“ erhalten.

Die Kolonie Amselhain, 120 Morgen umfassend, war 1900 als Obstplantage von Major Spitzner und Richard Grünenthal angelegt worden. In der gleichzeitig auf diesem Gebiet angelegten Gärtnerlehranstalt befindet sich jetzt das Restaurant Amselhain (später Amselklause) [Inhaber Ernst Jäger]. 1911 wurde das Gesamtgebiet von Kaufmann Hindenberg und Bauunternehmer Büttner erworben und nun begann seine Aufteilung.

An der Spitze der Verwaltung ist seit 1922 der Bürgermeister Oskar Lehmann. Seit Mai 1924 besteht die Stadtverwaltung aus 14 Abgeordneten. Von denen gehören 8 der bürgerlichen und 6 der Fraktion der werktätigen Bevölkerung an. Als Beigeordneter fungiert Bäckermeister Reuter, als Ratsmänner: Arbeiter Dobberschütz und Kaufmann Robert Haase. Die Namen der am 4. Mai 1926 gewählten Stadtverordneten sind: Schmalle, Tiebel, Kirschbaum, Wagener, M. Thürling; Dröse, Günther, Förster, Behring, Fritz, Blankenfeld, Gebhardt und Meitmann.

1924 wurde das bisher angemietete Hausgrundstück, Am Platz 5, von der Witwe Ida Schmidtke als eigenes Rathaus angekauft und zu Verwaltungszwecken umgebaut. Der Kaufpreis bertrug 45.000 Mark, wovon 10.000 Mark angezahlt wurden, das Restgeld, verzinst mit 6%, wird in Jahresraten zu 3.000 Mark abgetragen.

Seit 1898 ist Werneuchen Bahnstation an der Bahnlinie Berlin-Wriezen. Zum Eisenbahnbau steuerte die Stadt rund 25.00 Mark in bar bei und überließ der Bahnverwaltung Land, für dessen Erwerb die Stadt 26.679,82 Mark zu zahlen hatte.

Ab jetzt wird auch der Vorortsverkehr mit Berlin angestrebt, zu welchem Zwecke sich der Verkehrsverband an der Reichsbahnstrecke Berlin-Werneuchen gebildet hat, dessen Vorsitzender Bürgermeister Lehmann - Werneuchen ist.

Das sich im Besitz von Ingenieur Franz Hagen befindliche Elektrizitätswerk wurde erbaut von der Elektra GmbH und 1906 eröffnet. Seit dem besitzt Werneuchen auch elektrische Straßenbeleuchtung.

Ein Wasserwerk befindet sich in der Kolonie Rudolfshöhe, in der Stadt selbst geschieht die Wasserversorgung durch Pumpen, welche sich fast auf jedem Hof in Privatbesitz befinden. Außerdem befindet sich auch eine Städtische Pumpe Am Platz.

Vorhanden sind 2 Ärzte, 3 Zahntechniker, 2 Hebammen und seit 1838 eine Apotheke. das Armenhaus ist 1912 erbaut worden.

An Industrien sind in der Stadt Werneuchen vorhanden:

- Sägewerk und Baugeschäft Konkordiamühle

- Dampfmühle H. Lehmann und W. Schmidtke

- Sägewertk Elisabethmühle

- Zementsteinfabrik Georg Tiebel

- Baugeschäft Emil Petrick

Weiterhin kommen hinzu die Neuendorfsche Bockwindmühle am Bahnhof (die daneben gelegene Buggesche Windmühle ist 1923 abgebrannt) und die Thürling’sche Holländer-Mühle vor Rudolfshöhe; die ehemalige Pappfabrik ist eingegangen und wird zu Wohnzwecken genutzt.

Die größten Grundbesitzer sind Erich Kühn (900 Morgen) und W. Kirschbaum (über 500 Morgen Land).

Den Geldverkehr vermittelt seit 1923 die Girokasse der Oberbarnimer Kreissparkasse (Kreisbank).

Es sind 13 Gast- und Schankwirtschaften vorhanden, von denen sind mit Sälen ausgestattet:

- der Schwarze Adler, Isensee („Zum Stadtwappen“ das eine grüne Eiche auf weißem Grund darstellt (Stadtfarben weiß-grün), Wittenberg (Zur Gemütlichkeit), und das 1848 erbaute Schützenhaus.

An der 7-klassigen Volksschule (mit Knaben und Mädchen) unterweisen 6 Lehrer, Rektor Hoffman und die Lehrer Matthes, Peske, (der zugleich Leiter der seit 20.10.1924 bestehenden Berufsschule ist), Quart, Feldhahn und Voß. Gegenwärtig besuchen die Volksschule 135 Knaben und 123 Mädchen. Der ganze Schulbetrieb verschling jährlich eine Summe von rund 25.000 Mark, wovon der Staat etwa 15.000 Mark zahlt.

Ausweislich wurden im Standesamtregister 1924 beurkundet: 36 Geburten, 20 Eheschließungen und 30 Todesfälle. (Zum Vergleich: 1898 55 Geburten, 18 Eheschließungen und 52 Todesfälle; 1918 40 Geburten, 17 Eheschließungen und 35 Todesfälle).

Das Vereinswesen stand in Blüte, es existieren zur Zeit:

- Landwehr-Verein (Vors. Maurermeister Petrick)

- Männerturnverein (Vors. Klempnermeister Köhler)

- Radfahrverein (Vors. Obstzüchter Gladow)

- Motoradclub (Vors. Maurermeister Tiebel)

- Beamten Ortskartell (Vors. Straßenmeister Heinze)

- Schützengilde (Vors. Bäckermeister Maasch)

- Kleintierzuchtverein (Vors. Tischler Sorgatz)

- Landwirtschafts Verein (Vors. Hauptmann Stark - Tiefensee)

- Landbund-Ortsgruppe (Vors. M. Thürling).

Eine Freiwillige Feuerwehr besteht seit 1899 (Kommandeur Oberbrandmeister Knebel, Rudolfshöhe Brandmeister Ritwan).

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